Nach Veröffentlichung des DEKRA-Abschlussberichts ist es belegt: Die theoretischen Schallberechnungen für Windkraftanlagen im hügeligen und bewaldeten Gelände versagen in der Praxis. Der über 170 Seiten starke DEKRA-Abschlussbericht zum Windpark Königseiche in Uhingen-Baiereck belegt schwarz auf weiß ein Desaster mit Ansage. Dessen Aussagen sind unmittelbar auf den geplanten Windpark in Wald übertragbar – zumal in Baiereck Windräder derselben Modellfamilie stehen, die auch bei uns geplant sind.

Das DEKRA-Gutachten führt zu drei zentralen Erkenntnissen, die den Planungen in Wald den Boden entziehen:

1. Reale Messungen statt Schreibtisch-Prognosen

Im Schurwald in Baiereck stehen zwei Windenergieanlagen der Nordex-Plattform (Typ N149). Auch dort versicherten Betreiber und Behörden vorab, alle gesetzlichen Grenzwerte würden strikt eingehalten. Die Realität, die die DEKRA über fünf Messwochen hinweg aufwendig ermittelt hat, sieht völlig anders aus:

2. Die Ursache: Die DIN-Norm versagt – Langzeit-Abnahmemessungen unverzichtbar

Warum klaffen Theorie und Praxis so weit auseinander? Die DEKRA-Gutachter legen den Finger direkt in die methodische Wunde: Die im Genehmigungsverfahren angewandte Berechnungsnorm (DIN ISO 9613-2 in Verbindung mit dem Interimsverfahren) bildet die tatsächlichen Schallausbreitungsverhältnisse in Süddeutschland nicht realistisch ab.

Die Norm wurde ursprünglich für bodennahe Schallquellen entwickelt. Bei modernen Großanlagen mit Nabenhöhen von fast 180 Metern und den typischen süddeutschen Berg-Tal-Lagen versagt das theoretische Rechenmodell systematisch. Genau dieser Befund hat fundamentale Konsequenzen für die gesamte Praxis: Die DEKRA-Kritik an den Standardprognosen untermauert mit aller Härte die Forderung, dass Schreibtisch-Berechnungen in hügeligem und bewaldetem Gelände niemals ausreichen dürfen und an allen diesen Standorten zwingend unabhängige Langzeit-Immissionsmessungen als offizielle Abnahmemessung vorgeschrieben werden müssen.

Die Praxis im Schurwald führt drastisch vor Augen, warum solche realen Kontrollmessungen über mehrere Wochen alternativlos sind:

3. Die Konsequenz für Wald: Rechentricks auf dem Papier treffen auf ein fehlerhaftes Modell

Hier schließt sich der Kreis zum geplanten Windpark in Wald: Das offizielle Schallgutachten der Firma Ramboll für die fünf geplanten Nordex N175 im Teilprojekt „Wald 2“ fußt auf exakt dieser vom DEKRA-Gutachten in Zweifel gezogenen Methode (DIN ISO 9613-2 unter Anwendung des Interimsverfahrens).

Schon ohne die DEKRA-Erkenntnisse ist die Planung in Wald ein rechtliches und akustisches Konstrukt auf wackeligem Boden:

Die Kombination aus beiden Faktoren ist fatal: Wenn ein Projekt, das durch künstliche Teilung ohnehin schon mit aus unserer Sicht unzulässigen 43 dB(A) auf dem Papier operiert, auf ein Rechenmodell gestützt wird, das die Realität der Lärmbelastung massiv unterschätzt, steuern die Bürger in Wald, Walbertsweiler, Rast und Sentenhart geradewegs in ein gesundheitliches Desaster. In der Realität drohen nächtliche Lärmpegel, die weit über das hinausgehen, was für Wohngebiete jemals zulässig sein darf. Den Bürgern darf nicht zugemutet werden, wie in Baiereck erst jahrelang unerträglichem Lärm ausgesetzt zu sein, bis nachträgliche Messungen und Gerichtsverfahren Klarheit schaffen.

Unsere Forderung an das Landratsamt

Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde darf die Augen vor den harten Fakten aus Baiereck nicht verschließen. Eine Genehmigung darf nicht auf Gutachten erteilt werden, deren wissenschaftliche Basis von einer unabhängigen Prüfgesellschaft als unzureichend entlarvt wurde, erst recht nicht, wenn das Projekt schon rechnerisch mit juristischen Kunstgriffen über dem Schutzlimit operiert.

Wir fordern das Landratsamt auf:

Gesundheitsschutz und Rechtssicherheit müssen vor Schreibtisch-Prognosen gehen!

Bürgerinitiative Lebenswertes Wald

Mehr zum Thema auf unserer Themenseite Schall & Lärmschutz.

Überzeugt? Dann zählt jetzt Ihre Unterschrift.

Die Petition läuft noch bis zum 25. Oktober 2026.